„Ahl Kamelle“ us Elle

Am Karnevalssamstag 1956 beschlossen vier Ellener, Johann Käufer (+), Ferdinand Koof (+), Adam Sonanini (+) und Willi Hohn (+), alle Interessen-ten für eine Karnevalsgesellschaft in der 750 Einwohner zählenden selbst- ständigen Gemeinde Ellen, zu einer Versammlung einzuladen.

An dieser Gründungsversammlung am 10. März 1956 im Lokal Schauff nahmen neben den Initiatoren weitere 8 Frauen und 25 Männer teil.
Heute sind die Gründer Hans Schumacher, Maria Hohn und Heinz Bürger noch Mitglieder unserer Gesellschaft.

Nach einer regen Aussprache über Sinn und Zweck wurde festgelegt, das heimatliche, karnevalistische Brauchtum zu pflegen und zu fördern, Veranstaltungen für Karneval zu organisieren und durchzuführen, um eine echte gesellschaftliche Lücke im dörflichen Leben zu schließen.

Der Mitgliedsbeitrag wurde festgelegt:

Aufnahmegebühr = 1,00 DM

Beitrag für Männer = 0,50 DM / Monat

Beitrag für Frauen = 0,25 DM / Monat

Auf der ersten ordentlichen Mitgliederversammlung am 29.April 1956 wurde der erste Vorstand der Gesellschaft gewählt.

Erster Vorstand der KG Grieläächer Ellen:

Präsident: Wilhelm Hohn

1. Vorsitzender: Ferdinand Koof
2. Vorsitzender: Johann Käufer

1. Schriftführer: Wilhelm Weiser
2. Schriftführer: Michael Kaiser
1. Kassierer: Adam Sonanini
2. Kassierer: Kaspar Danino

1. Beisitzer: Josef Förster
2. Beisitzer: Willi Weingartz
3.Beisitzer: Andreas Danino

In dieser Versammlung konnten weitere 21 Damen und Herren in die Gesellschaft aufgenommen werden. Ein Start nach Maß, denn die Zahl der Mitglieder wuchs bis zum Jahresende auf 60 Personen .

Eine erste für den 11.11.1956 geplante Kappensitzung wurde allerdings aufgrund der undurchsichtigen politischen Lage im Zusammenhang mit dem Ungarnaufstand abgesagt. Um den Alltag trotzdem kurz vergessen zu können, veranstaltete man am 24.11.1956 im Vereinslokal Schauff einen Familienabend. Musikalisch wurde der Abend gestaltet von Josef Förster, Friedel Klein und Hans Bachem. Lieder und Vorträge aus den eigenen Reihen sorgten für gute Stimmung und eine Verlosung deckte die Kosten.

Nun so richtig in Schwung entstanden dann natürlich noch andere Ideen, die das dörfliche Leben bereichern sollten. Die Karnevalisten hatten sich zum Beispiel ausgedacht, dem ältesten Mitglied Franz Oepen und seiner Frau zur Goldhochzeit am 11. Jan. 1957 im großen Rahmen zu gratulieren. Dazu luden sie alle Ortsvereine ein und man zog gemeinsam mit einem Fackelzug zum Hause der Hochzeiter und überreichte ein ansehnliches Geschenk. Seit dieser Zeit sind alle Ortsvereine immer gerne bereit, auch heute noch, allen Goldhochzeitern auf diese Weise zu gratulieren.

Ohne weltpolitische Einflüsse startete man dann am 03.Februar 57 die erste Kappensitzung im Vereinslokal Schauff, leider nur mit den Mitgliedern, da die Räumlichkeiten keine andere Möglichkeit zuließen. Die Finanzierung der Sitzung hatten die Mitglieder über einen Sonderbeitrag von 1,00 DM übernommen.

Eine Vier-Mann-Kapelle aus Vereinsmitgliedern spielte für das Abendhonorar von 40,00 DM und ein Gesangsquartett heizte die Stimmung richtig an.

Aber auch die ersten auswärtigen Kräfte unterstützten das Programm, so „Die fünf Heios“ vom Mandolinenclub Merken. Damit waren die freundschaftlichen Bande, die heute noch bestehen, mit dem Mandolinenclub besiegelt.

Voller Tatendrang kam man 8 Tage vor dem Rosenmontag auf die Idee, einen Karnevalszug zu organisieren, der dann auch mit der Unterstützung der Ellener Landwirte wirklich am 4. März 1957 starten konnte.

Die Ellener machten spontan mit und stellten das dörfliche Leben auf ihre Art dar, so z.B. Backes vom Ühm oder Nachschub von Lönk. Nach dieser ersten Session war der Vorstand stolz, man hatte es geschafft, die Freude war groß, denn ein beachtlicher Grundstock von 182,70 DM war erwirtschaftet. Ob dies der Grund war, zu “ Grienen “ (ugs. für Grinsen) oder zu „Griemeln“ ( ugs. für in sich hineinlachen) kann nur vermutet werden, denn es muss ja einen Grund gegeben haben, der zum Beschluss führte, sich den Namen „Grieläächer Ellen“ zu geben. Vielleicht war es auch nur die Freude darüber, anderen eine Freude zu bereiten, die zum Grienen oder Griemeln führte.

Nicht alles war damit gelöst. Die Sorge um die Räumlichkeiten bestand weiter, denn im Vereinslokal Schauff war eine Kappensitzung mit der Einladung an die Dorfbevölkerung nicht möglich. Eine Ausweichmöglichkeit wäre der Saal Wamig-Weber gewesen, der aber zu Beginn des Jahres 1957 noch mit Flüchtlingen belegt war. Im Sommer des Jahres 1957 wurde der Saal dann frei und die Veranstaltungen konnten dort durchgeführt werden. Der Startschuss fiel dann mit der Kappensitzung am 10.11.1957.

Die Narrenkappe aus Papier blieb natürlich nicht lange, sie wurde durch eine einfache blauweiße Einheitsmütze zur Sitzung am 26. Februar 1958 ersetzt.

Große finanzielle Sprünge waren einfach nicht drin, so beschloss man dann auch, nur -2- Fasteloovendsbälle in der Session durchzuführen. Eine Entscheidung, die bis zum Beginn der 70er Jahre beibehalten wurde. Die Durchführung der Bälle ist natürlich auch ein Verdienst verschiedener Musikgruppen, wie Mandolinenclub Merken, Kapelle Hawai, Strauß-Kombo und Kapelle Ellbastra, die dem Verein auf der Kostenseite immer wieder entgegen kamen.

Bleiben wir in der Session 1958, die mit einem großen Rosenmontagszug, unter Beteiligung aller Ortsvereine durch Wagen oder Fußgruppen ein voller Erfolg wurde.

Die Grieläächer hatten Fuß gefasst, so konnte die Gesellschaft zuversichtlich in die Zukunft schauen. Aus dem Vereinsbuch – Sammlung aller Niederschriften der Mitgliederversammlungen – ist zu entnehmen, dass nach heutigen Vorstellungen ein märchenhafter Eintrittspreis von 1,00 DM bei den Tanzveranstaltungen verlangt wurde und dabei konnte dann bei der Abrechnung von Einnahmen und Ausgaben auch noch ein Gewinn von 9,05 DM, wahrscheinlich mit Spenden, verbucht werden.

Der Elan und die Begeisterung nach dem Start 1956 ließ aber leider etwas nach. Es gab Höhen und Tiefen, die Veranstaltungen wurden mit größten Anstrengungen durchgeführt. So kam es auch, dass die 60er Jahre nicht immer ganz einfach waren. Die Gesellschaft war an einem Punkt angelangt, wo ein Aufwärtstrend nicht mehr klar erkennbar war. Es konnte nur noch eine Kappensitzung durchgeführt werden, man trat quasi auf der Stelle.

Neue Impulse wurden durch den damaligen Schulleiter Günter Borzutzki erwartet, der im Jahre 1963 eine Kindersitzung organisierte und durch-führte. Dazu entwarf er dann eigens ein Plakat.

Alles lief gut, doch der Funke wollte einfach keine Flamme entzünden.

So kam es dann 1966 / 67 zu einem absoluten Tiefpunkt in der noch so jungen Vereinsgeschichte. Es wurden keine Veranstaltungen durchgeführt.
Ausgerechnet im eigentlichen ersten Jubiläumsjahr, 1 x 11 Jahre Grieläächer.

Eine Verschnaufpause mit einem heilsamen Schock, ein Erwachen aus einem Winterschlaf, so könnte man den Wechsel vom Winter in das Frühjahr 1967 / 68 bezeichnen, denn die Gesellschaft war wieder da mit ihren Veranstaltungen. Neu gewonnene Freunde der KG Stammelte Böömche hatten großen Anteil an der wieder stattfindenden Kappensitzung am 17.02.1968. Voller Freude folgte dann am 26. Febr. 1968 der Rosenmontagszug in neuem Glanz. Aber nicht alles erzeugte Glanz, sondern nach dem Umzug gab es auch Schatten, denn ein Wagen des Fußballclubs verunglückte in einer Kurve und es gab viele Verletzte. Wieder ein Rückschlag, der zum Beschluss führte, nur noch Fußgruppen am Rosenmontagszug teilnehmen zu lassen.

Aus Rückschlägen gewinnt man Kraft und so ist der Schritt zu definieren, der die Grieläächer zum Beschluß vom 21.10.1970 führte, dem Regional-verband Düren beizutreten und diesem Beitritt folgte der Antrag vom 26.06.1971 auf Eintragung ins Vereinsregister.

Positive Zeichen, die nun für alle Veranstaltungen der Grieläächer in Bezug auf befreundete Gesellschaften und Besuche aus Arnoldsweiler, Derichsweiler, Huchem-Stammeln und Oberzier eine gute Zusammenarbeit versprachen.

1971 ein Jahr, in dem vieles in der Gesellschaft geschah. Nicht nur die vor-erwähnten Schritte mit Außenwirkung, sondern auch vereinsintern ergaben sich Änderungen. Wegen Krankheit schied Ferdinand Koof aus dem Vor-stand aus, Gründer und 1. Vorsitzende von 1956 an. Seine Verdienste führten zur Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. Neuer Vorsitzender wurde das Gründungsmitglied Hans Schumacher, der sich bereits über viele Aktivitäten einen Namen erworben hatte.

Aufgeweckt durch den Anblick junger Damen in Gardekostümen bei anderen Gesellschaften, ging der Reiz natürlich nicht an den Grieläächern vorbei. Eine Nachfrage im Dorf brachte die Überraschung, es konnten gleich zwei Garden gegründet werden. Der erste Auftritt der jungen Damen beim Empfang der Gemeinde trieb den gestandenen Grieläächern die Freudentränen in die Augen und der erste Auftritt bei der Kappensitzung am 16. Febr. 1972 war ein voller Erfolg. Ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Jugend war wieder dabei, eine zweite Geburtsstunde des Ellener Kin-derkarnevals mit Kinderkostümball und Kindersitzung liegt im Versamm-lungsbeschluß vom 11.Januar 1974. Von dieser Zeit an hat sich daran bis zum heutigen Tage nichts geändert.

Nun konnten die Grieläächer die befreundeten Gesellschaften auch in Begleitung einer Damengarde besuchen und zeigten damit voller Stolz, dass auch in Zukunft mit den Ellenern zu rechnen ist.

Die Grieläächer waren zu dieser Zeit natürlich schon weit über die Grenzen des Ortes und der Gemeinde hinaus bekannt unter dem Namen:
Palaver Hein und Hohnde Jupp. Beiden waren die närrischen Säle im Kreis Düren zur karnevalistischen Heimat geworden. Mit ihrem Witz und ihrem Humor trieben sie die Stimmung hoch und die Freudentränen in die Augen. Viele viele Jahre aus Spaß an der Freud und vor allem, ohne den Veranstaltern Kosten zu verursachen. Der Beifall und die Anerkennung waren ihnen Dank genug für die langen Vorbereitungswochen – echte Karnevalisten. An dieser Stelle sei an sie beide erinnert. Beide, Heinrich Schwalbach (+) und Hohnde Jupp (+) haben die Bühne der irdischen Welt verlassen.

Mit Abschluss der erfolgreichen Session 1974/75 stellte der 1. Präsident der Gesellschaft, Willi Hohn, sein Amt zur Verfügung. Nachfolger wurde der 1. Vorsitzende Hans Schumacher, nun in Personalunion auch Präsident.

Als stellvertretenden Präsidenten wählte die Gesellschaft Toni Kallen, der den in Doppelfunktion tätigen Hans Schumacher unterstützen sollte.

Noch im Jahre 1975 ernannten die Grieläächer ihren langjährigen Präsidenten Willi Hohn zum Ehrenpräsidenten.

Eine Bereicherung der gesellschaftlichen Darstellung war zweifelsfrei der Vorschlag des Ehrenpräsidenten, in Zukunft Gönner und Förderer zu Ellbachrittern zu ernennen. Die Zahl der Ellbachritter wurde auf -5- Ritter beschränkt. So wurde im Jahre 1976 den Gönnern und Förderern Fritz Baumann und Franz Frohn die Ehre zuteil. Ihnen folgten 1977 Engelbert Scheer, 1978 Balthasar Spies, 1979 Paul Giemsa, 2000 Engelbert Wirtz, 2003 Hubert Weber, 2004 Helmut Macherey und 2010 Hans-Joachim Bertrams und Günter Lehnen.

Leider sind in der Zwischenzeit verstorben:

im Jahre 1997 Fritz Baumann
im Jahre 1999 Engelbert Scheer
im Jahre 2002 Franz Frohn
im Jahre 2005 Hubert Weber
im Jahre 2009 Paul Giemsa
im Jahre 2010 Engelbert Wirtz

Am 06. Jan. 1978 konnte man bei einem Festkommers im voll besetzten Saal Wamig-Weber auf stolze 22 Jahre Karneval in Ellen schauen. Ein Rückblick, aber auch ein Anstoß für die Zukunft in der funktionierenden Dorfgemeinschaft. Ein Verein, in dem sich drei Generationen wiederfinden, von den Gründern über gestandene Frauen und Männer bis hin zu den Kindern. So war es fast selbstverständlich, dass die Wünsche der Gratu-lanten auf weitere Zusammenarbeit nicht ausblieben. Dies hieß natürlich: weiter arbeiten und nicht ausruhen auf den Lorbeeren des Jubiläums.

In dem steten Bemühen, das karnevalistische Brauchtum zu hegen und zu pflegen, wuchs die Gesellschaft in sich. Insbesondere Kinder- und Jugend-betreuung konnten in den Folgejahren erhebliche Fortschritte verzeichnen. Bei dieser Aufgabe konnten immer wieder Verantwortliche gefunden wer-den, die mehr oder weniger den Ellener Kinderkarneval forcierten und über die Dorfgrenzen hinaus bekannt gemacht haben, sei es mit tänzerischem Können oder spitzer Zunge in der Bütt. Es blieb natürlich nicht nur bei den zwei Garden. Die Jugendabteilung wuchs, es gab den Kinderelferrat, die Büttenredner und die Tanzgarden und dies alles viele Jahre unter der Lei-tung von Heide Wirtz. Die Aufgabenstellung der Gesellschaft wuchs, die Kontakte zu befreundeten Gesellschaften wurden vertieft, neue Kontakte geknüpft, die Mitgliederzahlen stiegen usw. – ein Zeichen für einen lebendigen Verein, der den Boden des heimatlichen Karnevals nicht verläßt.

So gibt es natürlich auch immer wieder Höhen und Tiefen und Veränderungen/Ergänzungen im gewählten Vorstandsbereich. Willi Hohn, der nach 1975 als Schatzmeister fungierte, und Josef Hohn, der Geschäftsführer war, gaben ihre Arbeitsbereiche im Jahre 1982 ab. Nachfolger in der Funk-tion des Schatzmeisters wurde Josef Frinken, und den Geschäftsbereich übernahm der Vizepräsident Toni Kallen. Beide engagierten sich aber ab diesem Zeitpunkt auch in der Herstellung von Orden, indem eigene Motive entworfen und in Orden umgesetzt wurden.

Für die „Großen Narrenorden“ sorgte Josef Frinken bis 1985 und für die Kinderorden, die 1984 eingeführt wurden, zeichnete und bastelte Toni Kallen bis zum Jahre 1990. 1984 konnte dann auch der Durchbruch hin-sichtlich eines ordentlichen Vorstandssitzes für die Betreuerin der Jugend erreicht werden, die ab diesem Zeitpunkt über die satzungsgemäßen Vor-standswahlen als Jugendleiterin gewählt wurde. Dies war dann, schon seit vielen Jahren tätig, bis 1988 Heide Wirtz, ihr folgte Helga Heinrichs.

Nicht nur Akteure aus der Jugend und aus dem Vorstand sorgten für eine lebendige Karnevalsgemeinschaft, sondern in Ergänzung auch sonst inaktive Mitglieder. So gab es in den Jahren vor dem 33-jährigen Bestehen,

im Jahre 1989 und danach immer wieder stimmgewaltige Vereinsmit-glieder, die „Ellener Geschichten “ parodierten, so z.B. das Ellbachtrio, mit Karl Heinrichs, Günter Krahe und am Begleitinstrument Uschi Wirtz oder Walter Walter. Wer aber auch mit spitzer Zunge jährlich in das Geschehen eingriff, muss hier erwähnt werden. Dabei blieb kein Auge trocken. Kein Schabernak und kein Dorf-Klüngel wurden in der “ Bütt “ in hervorragender Redekunst, auch mit Umschreibungen, durch Oberstudienrat Helmut Machery, vergessen. Im Vorfeld der Sitzung war immer zu hören: Kütt der och ? Er begeisterte den Saal mit einer nicht nachzuahmenden Art.

Neben diesen eigenen Programmpunkten sind wir heute noch froh, die Blasmusik wieder in die Sitzungen eingebracht zu haben, ohne andere Musikgruppen in ihrem Können zu schmälern. So spielt die Bläsergruppe Ellen heute noch unsere Sitzungen, in dieser Session bereits zum 26. Mal.

Mit all diesen positiven Einflüssen und Arrangements wurde das Jubiläum zum 3 x 11-jährigen Bestehen im Jahre 1989 gefeiert. Es war wieder ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte, die in 11-Jahresabschnitten gezählt wird, erreicht. Die Mitgliederzahlen hatten zu diesem Zeitpunkt, gegenüber einer vorher festgeschrieben Höchstzahl von 60, nun die Anzahl 100 ohne Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen erreicht. Bei diesem Zuspruch war allen Verantwortlichen klar: Auf geht`s und weiter !

Nach 33 Jahren war allen Karnevalisten auch klar, eine Vereinsstandarte muß her. Überlegt, bestellt, bezahlt und eingeweiht, begleitet diese Stan-darte nun alle Grieläächer bei ihren Veranstaltungen und Ausmärschen.

Das nicht immer alle weitermachen, ist eine normale Entwicklung in einem Verein. Das eine oder andere Vorstandsmitglied möchte dann nach einigen

Jahren auch mal ausgewechselt werden. So wechselten die Finanzen von Josef Frinken auf Werner Zahorka, der die Ellener Grieläächer schon seit Jahren kannte und unterstützte. Er war kein Neuling im karnevalistischen Treiben, war er doch 1964 als “ Werner I. “ Karnevalsprinz der Kreisstadt Düren.

Eine neue Herausforderung stand ins Haus. Das Dorf Ellen feierte im Jahre 1990 das 8oo-jährige Bestehen. „Dorf und Kloster Ellen 1190 – 1990″ war das Zauberwort, dass auch die Grieläächer erreichte. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass die Gesellschaft sich an den Vorbereitungen für die Veranstaltungen im ganzen Festjahr aber insbesondere auch am Heimat-abend und am “ Großen Historischen Festzug “ im September des Jahres 1990 beteiligte. Selbst der Karnevalsorden wies mit Gauklern auf das his-torische Klostertor hin.

In den Folgejahren wurden im Bereich der Orden immer wieder Motive aus der 800-jährigen Geschichte entnommen.

Um die 800 Jahre des Ortes Ellen zu erreichen, bedarf es bei den Griel-äächern noch einiger Anstrengung. Dadurch angestachelt, erschien auf einmal alles einfacher zu gehen. Doch so, wie das im normalen Leben auch ist, gibt es halt Probleme, die zu lösen sind. Hans Schumacher, der seit 1975 auch das Präsidentenamt neben dem Vorsitzenden inne hatte, kandidierte im Jahre 1993 nicht mehr für dieses Amt. Ein Schritt, der bedauert aber akzeptiert werden mußte. Neugewählt zum Präsidenten wurde Toni Kallen, der als Vizepräsident seit 1975 neben Hans Schumacher stand. Eine andere Aufgabenverteilung, aber die Mannschaft blieb zusammen. Die kontinuierliche Arbeit konnte also fortgesetzt werden.

Dies zeigte sich auch im Jugendbereich, denn mit den tänzerischen Leistungen traute man sich an Tanzturniere heran, wenn auch für die jungen Damen und Kinder ein neues Feld nun erobert werden musste. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. So die Einstellung und so der Erfolg. Für die ganze Zeit des Bestehens der Tanzgarden hieß es nach einer glanzvollen Leistung am Ende der Meisterschaft des Regionalverbandes Düren am 25. Febr. 1996, wir haben bei den Jugendtanzgarden einen neuen Verbandsmeister im Marschtanz, die Jugendgarde der KG Grieläächer in Ellen. Freude, Luftsprünge, Tränen, alles auf einmal, bei den jungen Tänzerinnen und bei der Trainerin Sandra Heinrichs (jetzt Höflie). Viel Arbeit, Zeitaufwand und Geduld hatten ihre Früchte getragen – Gratulation -.

Die „alten Hasen“ in der KG waren genauso gerührt, stand man doch in diesem Meisterjahr mit dem 30.März 1996 auf dem Geburtstagstreppchen als Verein für 40-Jährige. Ein herrliches Geburtstagsgeschenk der tanzenden Jugend an ihre Gesellschaft. Das Jahr 1996 brachte aber auch wieder Veränderungen. Die Jugendleiterin Helga Heinrichs kandidierte nicht mehr. Auf Vorschlag wurde ihre Tochter Sandra Heinrichs (jetzt Höflie) nun Jugendleiterin. Unterstützung in ihrer Arbeit fand sie natürlich bei den Damen, mit denen sie selbst jahrelang getanzt hatte: Maggy Frings, Nicole Lanzke und Claudia Langerscheidt, die alle schon in Vorjahren neben dem eigenen Tanztraining auch noch die Jugend trainierten und ihr Können wei-tergaben. Bessere Voraussetzungen kann ein Verein sich nicht im ehren-amtlichen Bereich vorstellen.

Geprägt waren die Jahre nach dem 33-jährigen Bestehen natürlich auch immer von den Überlegungen, wie können wir in der Ortschaft Ellen den Karneval so attraktiv gestalten, dass wir nicht von den Kosten gegenüber den Einnahmen überrollt werden. Neue Ideen wurden geboren, so z.B. „der Dörpskarneval“ ab 11.11 Uhr an Weiberfastnacht und rein für die Jugendarbeit in Jahresabständen ein Kinderfest im Sommer unter dem Motto: Kinder für Kinder! Immer im Bestreben, im Sinne der Gründer zu versuchen, anderen Freude und ein paar sorgenfreie Stunden zu bereiten, steuerte die Gesellschaft mit dem Jahr 2000 das 4×11-jährige Bestehen an.

Eine Gesellschaft, entstanden aus 4 Initiatoren mit heute 150 Mitgliedern, davon über 50 Personen im närrischen Ornat.

Eine gelungene „Jubiläumsgabe“ ließen sich rechtzeitig vor dem Fest einige mutige Männer einfallen. Nach einem Probelauf einige Jahre zuvor im Kostüm der närrischen Tolitäten schlossen sie sich zur IG – Dreigestirn zusammen, um dem Karneval in Ellen und besonders dem Jubiläum das i-Pünktchen aufzusetzen. Prinz Dieter Lanzke, Bauer Holger Jakubowski und die „liebliche“ Jungfrau Norbert Lauterbach, die in Begleitung von zwei Musketieren (heute nennt man diese Leute wohl Body-Guards) und einem Ein-Mann-Verpflegungs-Tross (Koch) auf allen Veranstaltungen präsent waren. Sie begleiteten die Grieläächer auch außerhalb bei vielen Präsentationen.

Aus Spaß an der Freud wurden auch diese Männer anschließend Mitglied in der Gesellschaft. Heute spricht man noch in gesellschaftlicher Runde verschiedene mit dem damaligen Titel an: He Prinz! Wat wells du Jung-frau? Häs de kene Honge? Wat wellste dann esse? usw.

Wahrscheinlich durch den zart geschwungenen Gang und die geflochtenen Zöpfe der „Jungfrau“ in diesem Jubiläumsjahr entwickelte sich dann ein Herrenballett, zur großen Freude unserer Veranstaltungsbesucher. Diese Herren auf der Bühne im zarten Flausch und Flimmer trainierten hart gegen sich selbst und hatten trotzdem viel Spaß dabei. Ein gutes Zeichen, was die Truppe auch zusammenhielt. Das harte Training unter Anleitung der Trainerin Petra Classen, führte zu einem Ballett, bei dem die Akteure wie „Flöckchen“ über die Bühne schwebten. So entstand auch Ihr Name „Die Ballettflöckchen“. Hier muss natürlich der eine oder andere Zwischenruf der Besucher erwähnt werden, die meinten: Da sind aber auch „Flocken“ dabei. Leider löste sich dieses erprobte Männerballett nach ein paar Jahren auf.

So vergingen die Jahre im ständigen Wandel und um die Sorge, das Brauchtum zu hegen und zu pflegen. Es herrscht stets das Bemühen vor, jüngere Mitglieder zu werben und in die Verpflichtung zu nehmen. Ein Jubiläum ist ein Rückblick, ein Jubiläum kann auch Schnitt sein. So wurde der Vorstand nach dem erklärten Willen des noch im Jubiläumsjahres tätigen 1. Vorsitzenden Hans Schumacher neu zusammengestellt. Er schied aus dem Vorstand aus. Nach einer Übergangszeit, in der der Stellvertreter Heinz Heinrichs den Verein führte, wurde bei den dann im Turnus anstehenden Neuwahlen Toni Kallen zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Er hatte den „Vatte“ schon 1993 in der Funktion des 1. Präsidenten beerbt. Hans Schumacher wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Bei diesen Neuwahlen gingen verschiedene Ressorts wie die Finanzen und der Geschäftsbereich in neue und teils jüngere Hände. Aber es blieb doch eine gewisse Beständigkeit in einzelnen Funktionen erhalten. Ein gelungener Mix mit Jüngeren und Älteren, eine Schmiede, die neue Ideen und Erfahrungen bündelte.

Vieles konnte fortgeführt werden, so die Papiersammlungen im ganzen Jahr, seit mehr als 30 Jahren zur Förderung der Jugend, für Investitionen im Wagen- und Bühnenbau, für Einrichtungen im Bereich der Übertragungstechnik und vieles mehr. Denken wir einmal an die Veranstaltungsräume – mit den großen Arenen können wir uns nicht messen, wir sind zufrieden mit den örtlichen Einrichtungen – mit „unserem Saal“ Wamig-Weber, den wir mit eigener Technik ausstatten und bedienen. Hierfür muss es dann allerdings auch Interessierte und Fachleute geben. Werner Frings ist ein solcher Mann, der zuerst im Verein die Finanzen über Jahre verwaltet hat und dann mit dazu beitragen konnte, dass wir den Verein mit eigener Technik ausstatten konnten. Bei allen Veranstaltungen war hier unser DJ Werner dabei und sorgte für den richtigen Ton. Sprichwörtlich „beerbt“ wurde Werner in seiner Funktion von Frank Schmitz, selbst Hobby-DJ, jahrelanges Mitglied unseres Vereins und auch schon im dritten Jahr mit Herz und Seele als Verantwortlicher für die Technik dabei.

Die Ansprüche unserer Besucher, die Attraktivität unserer Veranstaltungen, die positiven Vorstellungen unserer Jugend und die Präsentation nach außen, ohne den Grundsatz der Erhaltung und Pflege des Brauchtums zu verlassen, sind Ansporn und Verpflichtung für alle, die sich dem gesellschaftlichen Leben in einer Karnevalsgesellschaft verschrieben haben, dies alles natürlich ehrenamtlich.

Eine Karnevalsgesellschaft ist kein Sessionsverein, sondern eine gesellschaftliche Größe in jedem Ort, denn wir können und wir wollen z.B. die Jugendarbeit nicht am Aschermittwoch einstellen und im Herbst wieder-beleben. So wird das ganze Jahr über mit der Jugend und für die Jugend gearbeitet. Neben dem selbstverständlichen Tanzen gibt es nämlich noch viele andere Möglichkeiten, junge Menschen ins Vereinsleben einzuführen und einzubinden. Hier denken wir an ein Kindersommerfest, an Ausflüge und an die Weihnachtsfeier und nicht zu vergessen, an das nunmehr bereits zum zweiten Mal durchgeführte Jugendzeltlager in Finkenheide, was sich bei den teilnehmenden Jugendlichen und Kindern, aber auch bei den betreuenden Erwachsenen sehr großer Beliebtheit erfreut.

Das ehrenamtliche Engagement zeigt sich auch im Sozial- und Kultur-bereich in der Unterstützung der Gemeinde Niederzier bei der Veran-staltung der Seniorensitzung, die in der Federführung immer in den Händen der gemeindlichen vier Karnevalsgesellschaften liegt. Im Jahre des 50-jährigen Bestehens durften die Grieläächer die närrische Gewalt in der Gemeinde mit dem Symbol des Schlüssels übernehmen.

Auch zu diesem 50 jährigen Jubiläum wurde, wie auch beim 44-jährigen Bestehen eine Festschrift erstellt, erstmals in Eigenregie des kurz zuvor gewählten Geschäftsführers Michael Lehnen. Dies war auch ein Beitrag dazu, dass jüngere Mitglieder den erfahrenen Vorstand bereichern können. So wurden im gleichen Zeitraum Thomas Juchem zum Vizepräsidenten und der bzw. die ein oder andere „an jüngeren Jahren“ in den Vorstand gewählt. Die Nachfolge der damaligen Jugendleiterin Sandra Höflie trat Kristina Kallen an, die selbst über jahrelange Erfahrung im Tanzsport verfügt.

Der Festkommers zum 50-jährigen Bestehen war ebenfalls ein voller Erfolg, die Jubiläumssitzung war ausverkauft. Es wurde wie immer gebührend gefeiert.

Die darauffolgenden Jahre waren meist immer von Erfolg geprägt. Man konnte sich durchweg über gute Besucherzahlen bei den Veranstaltungen freuen und die Besucher kamen und kommen natürlich heute noch sehr gerne zu „ihrer“ KG.

Es wurde auch ein neuer Karnevalswagen angeschafft und der „alte“ Wagen wurde der Jugend zur Verfügung gestellt. Mit der Anschaffung des neuen Wagens kam auch noch mal die Idee auf, eine Wagenhalle zu bauen. Man hatte ja nun schon zwei „fahrbare Untersätze“, die unterge-bracht werden wollten. Diese Idee bzw. Überlegung gab es schon mal Jahre zuvor, wurde damals aber wieder verworfen. So arbeitete der damals amtierende Vorsitzende und Präsident Toni Kallen in Zusammenarbeit mit dem Schützenbrudermeister Heinz-Jakob Spies einen Plan für ein gemeinsames Bauprojekt am bestehenden Schützenheim auf dem Schützenplatz aus. Die KG sollte eine Material- und Wagenhalle bekommen, die Schützen einen Schießstand und einen Materialraum. Die Pläne waren fertig, dem Kreis Düren zur Genehmigung eingereicht und dann ereilte die KG und das gesamte Dorf ein Schicksalsschlag, an den man heute oft noch denken muss und der für alle ein Schock war. Toni Kallen verstarb plötzlich, für alle unfassbar und völlig unerwartet am 15. Juni 2008 mit noch nicht sechzig Jahren. Ein Datum, das so schnell niemand vergisst. Er hinterließ mit seinem plötzlichen Ableben eine große Lücke bei seiner Familie, aber auch bei der Karnevalsgesellschaft, den Schützen und im ganzen Dorf. Die KG hatte urplötzlich keinen Vorsitzenden und keinen Präsidenten mehr. Trotz-dem musste es, auch im Interesse des ganzen Dorfes und des karnevalistischen Brauchtums, irgendwie weitergehen. Und so fanden sich bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im September 2008 mit Michael Lehnen als 1. Vorsitzenden und Thomas Juchem als 1. Präsidenten, glücklicher Weise zwei Nachfolger, beide schon als Geschäftsführer bzw. Thomas Juchem als 2. Präsident zumindest etwas erfahren.

Und mit den sprichwörtlichen „alten Hasen“ im Vorstand ging es dann doch langsam aber sicher weiter, obwohl der Schock über Toni`s plötzlichen Tod immer noch tief saß.

Die erste Närrische Sitzung, die Thomas Juchem leitete, wurde ein voller Erfolg und auch Michael Lehnen als neuer 1. Vorsitzender fand sich recht zügig in seinem neuen Amt zurecht. Die noch von Toni Kallen beim Kreis Düren eingereichten Pläne für den Hallenbau kamen im Juli 2008 genehmigt zurück und man hätte eigentlich mit dem Bau der Wagenhalle und des Schützenschießstand beginnen können. Der plötzlich angedachte Plan des Ellener Theatervereins, sich eventuell als dritter Verein am Bauvorhaben zu beteiligen, verzögerte das Ganze. Aber auch diese Hürde meisterte der Vorstand bzw. die KG, und man konnte endlich in Union mit der Schützenbruderschaft und ohne den Theaterverein in diesem Jahr voller Stolz mit dem Bau beginnen. Aus dieser Situation bzw. Erfahrung hat der Vorstand gelernt, obwohl man im Nachhinein sagen muss, „Nachkarten“ gilt nicht und immer nach Vorne schauen! Auch im Interesse der Dorfgemeinschaft!

Und so können wir nun wieder ein diesmal „jeckes“ Jubiläum, nämlich 5 x 11 Jahre = 55-jähriges Bestehen feiern. Die vergangenen 5 Jahre seit dem 50-jährigen Fest sind, und da sind sich viele Mitglieder und Vorständler einig, vergangen wie im Flug. Es gab aber auch in dieser Zeit viele Dinge und Ereignisse, wie hier vorher beschrieben, die diese hinter uns liegenden 5 Jahre irgendwie „beschleunigt“ haben. Aber wie heißt es so schön: „Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit!“

Voller Stolz und Freude feiern wir auch diesen närrischen Geburtstag, mit unseren Freunden, der Ellener Bevölkerung, den befreundeten Orts –und Karnevalsvereinen und allen, die uns mögen und uns und unsere Veranstaltungen gerne besuchen. Denn stolz dürfen wir gewiss sein auf so eine lange Vereinsgeschichte und auf uns als Gesellschaft.

Eine Gesellschaft, die mit ihren Vereinsbeiträgen wie zu „Oma`s Zeiten“ behutsam umgeht, die noch erschwingliche Eintrittspreise festsetzt, sprich mit Fakten, die für einen ländlichen Karneval stehen und nicht nur an Geschäfte und Vermarktung erinnern.

Zum Schluss ein Wort des Dankes, all denen, die es ermöglicht haben, dass die „Ellener Grieläächer“ diese 55 Jahre erreicht haben und feiern können. Aber auch all denen Dank, die mitgeholfen haben, wieder eine ansehnliche Festschrift erstellen zu können.

Wir freuen uns auf Ihr weiteres Interesse an unserer Gesellschaft und hoffen, dass wir und unsere Nachfolger im Sinne des Brauchtums noch viele Jubiläen feiern können im Andenken der Männer und Frauen, die den Verein gegründet haben.

Ein herzliches : „Elle alaaf“

(Diese Vereinsgeschichte wurde bis 2006 von unserem lieben, leider verstorbenen Toni Kallen geschrieben und von Michael Lehnen entsprechend der darauffolgenden Jahre ergänzt.)

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